BattleTech - Dark Age 16 - Tochter des Drachen

In diesem Roman werden die Geschehnisse zwischen 3134 und 3136 an der Grenze der Republik zum Draconis Kombinat beschrieben. Damit deckt der Roman so ziemlich den Großteil der bisherigen Zeitlinie von Mechwarrior: Dark Age ab und verweist auch immer wieder auf große Ereignisse wie das Begräbnis Victor Steiner-Davions und die Invasion Liaos.

Dieses Buch hat mich schwer beeindruckt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein Buch nach 50 Seiten zur Seite gelegt habe und dann nachdenken musste. Allerdings nicht, weil mich der Roman so bewegt hätte, sondern weil ich mich fragen musste, warum ich überhaupt meine wertvolle Freizeit mit so einer Papierverschwendung vergeude. Alleine auf den ersten 50 Seiten gibt es derartig viele sexuelle Abweichungen von der Norm, gesteigert bis hin zur extremen Perversion, dass ich mich ehrlich fragen musste, ob man hier nur die ganz schlimme Sorte der wortwörtlichen Fan-Fiktion (mit Betonung auf der ersten Silbe des zweiten Wortes) in Buchform gepresst hat. Man quält sich angeekelt an einem mordgeilen Psychopathen, sowie seinem Bruder vorbei, der die Aufnahmen der Morde dazu nutzt, sich selber aufzugeilen. Achja, der Psycho wird immer extrem cool und kompetent dargestellt. Er führt einen Mech wie ein Solaris-Champion, schleicht wie eine Katze, kann jede beliebige Gestalt annehmen, in Nullzeit reisen und mal eben die Geheimdienste der Inneren Sphäre nach seiner Pfeife tanzen lassen. Der Bruder schafft es einen Bodybuilderkörper in der Schwerelosigkeit zu halten und ist ein Programmiergenie, das eine Fantastilion an Credits damit gemacht hat, ohne dass ihn jemand kennt. Als würde das nicht schon reichen, wird kurze Zeit später Katana (!) Tormark beschrieben, ehemalige Präfektin der Republik der Sphäre, Anführerin der Fraktion „Des Drachen Zorn“ und ziemlich offene Sympathisantin des Draconis-Kombinats, in dessen Namen sie übrigens auch die Planeten ihrer alten Präfektur erobert, ohne deswegen von dessen Herrscher gelobt oder getadelt zu werden. Diese Frau trainiert Kendo mit ihrer Geliebten, bis sie diese auffordert, mit echten Schwertern und nackt zu kämpfen, damit man auch wirklich etwas lernt.

Die Autorin Ilsa J. Bick, übrigens die erste für Mechwarrior: Dark Age, beschreibt dabei detailliert die wunderschönen, durchtrainierten und verschwitzten Körper, die aufeinander prallen und sich später liebkosen. Wenn das nicht die klischeehafte Porno-Fan-Fiktion ist, dann weiß ich es auch nicht. Zwar nehmen die sexuellen Szenen im Verlauf des Romans ab, aber literarisch besser wird es trotzdem nicht. Ständig werden irgendwelche neuen Charaktere eingeführt, die dann auch oftmals entweder überhaupt nicht mehr auftauchen, oder die eines schnellen Todes sterben. Klar, man kann das auch so sehen, dass damit der grausame Kriegsalltag dargestellt wird. Nur leider sind mir die zig Figuren, die auf irgendwelchen Welten irgendwelche Dinge tun scheißegal. Da hilft es auch nicht, dass die Todesarten akribisch und bis ins kleinste Detail blutig beschrieben werden. Solange die Charaktere dem Leser egal sind, ist es auch egal, wenn ihre Körper mit Splittern zerfetzt werden. Die Protagonisten und Antagonisten sind ziemliche Klischees, wie etwa die total nette und loyale Katana Tomark, die den Koordinator des Draconis-Kombinats aus irgendwelchen, im Roman nicht geklärten Gründen, total toll findet, oder ihr Gegenspieler, der Kriegsherr des Draconis-Kombinats, der ohne Tadel durch den Koordinator eine Armee aufstellt und in seinem Namen eine blutige Spur der Verwüstung und unfassbarer Kriegsverbrechen durch die ehemalige Republik der Sphäre und gegen Katana Tomark zieht. Doch erschweren nicht nur die fragmentarische Erzählweise und die ständig neuen Charaktere das Lesen, sondern auch die vielen Doppelagenten, die für die unterschiedlichsten Leute arbeiten… oder doch nicht. Und dann tauchen wieder Leute auf, die der Kopfgeldjäger als Meister der Verkleidung verkörpert oder die einen falschen Namen benutzen, etc. pp.

Um es mal zusammenzufassen: Klischeehafte Hauptcharaktere, dazu dutzende Nebenfiguren, die plötzlich auftauchen und direkt wieder verschwinden, agieren in einer völlig wirren Handlung aus zufällig eingestreuten Spionageaktionen, Gefechten oder Gesprächen, deren Sinn sich dem Leser nicht wirklich erschließt. Übrigens ist dies der vorerst letzte Band der Mechwarrior: Dark-Age-Reihe bei Heyne, da diese Serie vom Verlag erstmal nicht fortgeführt wird, obwohl noch weitere Bände auf Englisch vorliegen. Übrigens wurde inzwischen auch die Tabletop-Reihe durch WizKids eingestellt, was das aber für Auswirkungen auf die Romanreihe haben wird, ist derzeit noch unklar. Naja, wenn es nach mir geht, braucht diese äußerst schwache Reihe überhaupt nicht mehr fortgesetzt zu werden, weder auf deutsch, noch auf englisch.


Name: Tochter des Drachen 
OT: Daughter of the Dragon 
Verlag: Heyne {jcomments on}
Sprache: deutsch
Autorin: Ilsa J. Bick 
Empf. VK.: 7,95 Euro 
Seiten: 365 
ISBN: 978-3453523630