Star Wars - New Jedi Order 2 - Onslaught

"The New Jedi Order" ist die neueste Reihe der Romanwelten von "Star Wars", ein düstereres Werk, 25 Jahre nach der Schlacht von Endor angesiedelt und ein Projekt, dass bereits in der Rezension des ersten Romans der Reihe, "Vector Prime" von R.A. Salvatore, genauer beleuchtet wurde.

Nun liegt der zweite Roman hinter mir, zu dem direkt vorweg einige bemerkenswerte Dinge gesagt werden können.
Zunächst einmal ist es sicherlich ein Novum, das "Onslaught" nicht nur der zweite Teil der Gesamtreihe, sondern eben auch der erste Teil einer Duologie ("Dark Tide") ist, ein interessantes Konzept, welches sich auch noch mehrere Male wiederholen sollte. Der Autor fällt einem ebenfalls ins Auge, denn Michael A. Stackpole ist bei weitem kein Unbekannter, erst recht nicht in Fankreisen. War R.A. Salvatore, Autor von "Vector Prime", noch mehr aus anderen Reihen ein Begriff, ist Stackpoles X-Wing-Roman-Reihe mittlerweile integraler Bestandteil des Expanded Universe und von ungebrochener Beliebtheit bei den Fans.

Inhaltlich schließt der Roman direkt an der vorherigen an, an den zwiespältigen Sieg der Allianz und Leias Vorhaben, die Neue Republik vor den neuen Invasoren zu warnen… Doch Leia scheitert an der bürokratischen und vor allem ängstlichen Selbstverteidigung des Staatschefs Borsk Fey'lya, weshalb viele Leute beginnen eigene Schritte einzuleiten. Luke entsendet seine Jediritter in alle Ecken der Galaxis, um dort eventuellen Hinweisen auf die Yuuzhan Vong nachzugehen, Mara und Anakin hingegen nach Dantooine, damit seine Frau sich von ihrer schweren Krankheit erholen kann. Leia zieht weiter, um vor anderen Gremien vorzusprechen und findet bald Unterstützung in dem Caamasi Elegos A'Kla. Lando leidet weiter an den Folgen der Schlacht von Dubrillion, die Rogue Squadron um Gavin Darklighter umwirbt Jaina und - zuletzt - Luke selbst sowie sein Neffe Jacen machen sich auf nach Belkadan, dem ersten Ankunftsort der Vong, um dort nach Spuren zu suchen.

Ohne mehr zu der gelungenen Handlung zu sagen: Stackpole versteht es sehr geschickt, all diese und einige weitere Handlungsfäden miteinander zu verweben, ohne das der Leser den Überblick verliert. 36 Kapitel umfasst das Buch und mit ganz wenigen Ausnahmen ist je ein Kapitel einer "Protagonisteneinheit" gewidmet, so dass die Handlung immer schön gegliedert bleibt - bis zum großen Finale, das bestimmt ein Viertel des Buches ausmacht, wiederum ohne aufgeblasen zu wirken, sondern es bleibt, von den ersten Seiten und dem intriganten Verhalten des Senats, bis zum Epilog, spannend, man mag das Buch kaum aus der Hand legen.

Man merkt sicherlich, dass es zu einem Autorenwechsel kam. Die Schreibe ist zwar vergleichbar, aber doch merklich unterschiedlich und vor allem in der Handlung ist es bemerkbar.
Wo Salvatore Kyp Durron zum großen Jedi neben Luke hervorhebt, so beleuchtet Stackpole mehr "seinen" Corran Horn. Ebenso hält eben die "Rogue Squadron" wieder Einzug, ohnehin Stackpoles ureigenste Spielwiese.
Die Weltraumszenen sind auch weit detaillierter, gerade der exzessive Gebrauch von Funkverkehr unter den Flüggelmännern trägt sehr zur Atmosphäre bei - man fühlt sich streckenweise geradezu in das Cockpit eines X-Flüglers versetzt.
Natürlich bleiben dabei aber auch andere Dinge eher auf der Strecke.
So werden zwar die persönlichen Wege zum wahren Jedi der drei Solo-Kinder weiterhin wunderbar dargestellt und alle drei behalten auch ihre "neu gewonnenen" Charaktere bei, dennoch: die Interaktion ist, sicherlich auch Plotbedingt, nicht mehr so gegeben wie in "Vector Prime".

Ebenfalls auf der Strecke zu bleiben scheint Han Solo, dem in dem gesamten Buch maximal vier Seiten gegönnt sind. Dies liegt aber sicherlich nicht daran, dass Stackpole ihn nicht mag, sondern dass Hans Odyssee erst einmal eine andere ist, der direkt eine Duologie im Anschluss das dieses und das zweite Buch von "Dark Tide" folgen wird.

Als letzte signifikante Abweichung vom ersten Band sei dann noch erwähnt, dass gerade mal ein Kapitel die Geschicke der Yuuzhan Vong aus ihrer eigenen Sicht schildert.
Verwandte Salvatore noch viel Zeit darauf, dies alles zu schildern, so begnügt sich Stackpole damit, die Eindrücke der Protagonisten wiederzugeben, was der Spannung auch gut tut, denn wie Luke & co. fragt sich auch der Leser: was in aller Welt haben diese Aliens nur vor?!

Somit kann unterm Strich ein vorläufiges Ergebnis, vorläufig, weil "Dark Tide 2: Ruin" noch aussteht, gefällt werden: "Dark Tide 1: Onslaught" gefällt wieder auf ganzer Linie! Seine Qualitäten liegen zwar in etwas anderen Gebieten als bei "Vector Prime", doch der Roman ist genauso düster, noch wesentlich härter und mindestens ebenso spannend, also ein Gewinner auf der ganzen Linie.

Wenn "The New Jedi Order" diese Qualität über alle (geplanten) 22 Bände halten wird, stehen dem Star Wars-Fan wirklich rosige Zeiten bevor!


Michael A. Stackpole
292 Seiten Softcover, DelRey{jcomments on}
ISBN: 0-345-42854-4