Warhammer 40.000 - Wolfsschwert

So, dann mal fröhlich 'ran an den derzeit letzten Roman um Ragnar Schwarzmähne: "Wolfsschwert".

Nachdem Ragnar im letzten Roman die finale Schlacht fulminant beendet hat, sind einige seiner Brüder ungehalten. Zwar wurden die Chaos Marines besiegt, doch ging dabei ein heiliges Artefakt des Ordens verloren. Deswegen wird Ragnar auch nicht wie Sven oder Stryborn zu den Graumähnen versetzt und somit quasi befördert, sondern zu den Wolfsklingen versetzt. Dies kommt einem Exil gleich, denn diese kleine Gruppe von Wolfskriegern muss auf Terra den Navigatoren des Hauses Belisarius, Verbündeten der Wölfe, als Leibwächter, Ausbilder und Krieger dienen. Getrennt von den meisten seiner Brüder, macht sich Ragnar nun, mit Gabriella Belisarius, auf den Weg zur Heimat der Menschheit. Bereits auf dieser Reise wird ihm klar, dass seine Aufgabe alles andere als leicht wird, denn es gibt noch an Bord des Raumschiffs einen Mordanschlag auf Gabriellas Leben. Eine kleine Drohne, die auf Bewegungen reagiert und von einem Attentäter in der Nähe gesteuert werden muss, der nach Erfüllung seiner Aufgabe Selbstmord begeht? Mhm... das kommt mir doch bekannt vor. Auf Terra angekommen muss Ragnar dann feststellen, dass es hier zwar auch viele offensichtliche Gegner zu töten gibt, aber die wahren Gefahren sich nicht auf dem Schlachfeld präsentieren. Es gibt zwischen den Navigatorenhäusern uralte Fehden, Intrigen, religiöse Fanatiker, Geheimnisse und Pläne, die man in Plänen versteckt.
Zur Seite stehen Ragnar diesmal keine seiner alten Kampfgefährten, sondern zwei andere Wolfsklingen: Haegr und Torin. Der erste der beiden ist eigentlich eine Mutation. Riesengroß, selbst für einen Space Marine und mit einem abnormen Hunger ausgestattet, der nur mit dem nordischer Halbgötter zu vergleichen ist. Selbst seine Rüstung musste angepasst werden, um seinen gewaltigen Bauch zu tragen. Das finde ich schon etwas befremdlich, aber hey, künstlerische Freiheit stellte ja noch nie ein Problem für William King dar. Torin hingegen ist weltmännisch, eitel und sehr geschickt, im Umgang mit Worten wie auch mit der Waffe. Beide Marines leisten sich das ganze Buch über immer zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten Wortwechsel, die zwar anfangs noch amüsant, später aber sehr repetitiv und gezwungen wirken. Dadurch wird es bisweilen albern, was nicht zum Rest des Romans passen will.
Die Kämpfe sind zahlreich, blutig und werden von den Wolfschwertern wie immer gegen eine große Übermacht geführt. Gerade in diesem Roman fällt es sehr auf, dass die Space Marines scheinbar immer ihre Rüstung zu tragen scheinen. Ob sie sich nun im Palast zum Essen begeben oder in einer Kneipe trinken gehen wollen, immer sind sie in ihre schwere Rüstung gehüllt. Wenn ich wüsste, dass ich der Protagonist einer Geschichte von William King wäre, dann würde ich das vielleicht tun, aber mal ehrlich... selbst Space Marines laufen nicht immer in ihren Rüstungen herum. Die Welt ist zwar so intensiv beschrieben wir nie zuvor bei King, aber trotzdem fehlt noch viel. Die Intrigen und die Strukturen Terras werden angeschnitten, aber leider nicht ausreichend beschrieben. Interessant ist auf jeden Fall die Darstellung des Gegensatzes zwischen Arm und Reich, der extrem reichen Häuser der Navigatoren im Vergleich zu den mittellosen Zeloten unterhalb der Erde. Ragnar wird wieder etwas dreidimensionaler, auch wenn er als Charakter immer noch nicht völlig überzeugen kann. Dafür sind seine Taten zu groß, seine Leistungen zu heldenhaft. Seine Gedanken über die ""Sünde der Relativierung" ist allerdings richtig nett. Ragnar beginnt sich fragen, ob ein normaler Mensch ebenso wichtig sein könnte wie eine Space Marine, für seinen Orden geradezu ketzerisches Gedankengut und ein schönes Beispiel für die menschenverachtenden und faschistoiden Denkrichtungen im Warhammer Universum.
Den meisten Spaß machte mir der Roman aber damit, die ganzen Andeutungen, Verbeugungen und augenzwinkernden Hinweise auf die Vorlage der Navigatorenhäuser herauszufiltern. Der Roman atmet, lebt und ist eigentlich zu großen Teil Dune – Der Wüstenplanet. Der anfängliche Mordversuch an Gabriella entspricht dem Mordversuch an Paul Atreides nach der Inbesitznahme des alten Harkonnenpalastes. Auf Terra kleidet man sich an wie am Hof Shaddam des Vierten, dem Imperator bei Dune. Die Navigatoren haben mutierte Älteste, deren Beschreibung ziemlich genau auf die spiceabhängigen Navigatoren der Gilde in Lynchs Verfilmung passt. Fette Händler werden von Suspensoren gehalten, wie Baron Vladimir Harkonnen. Mein Liebling war aber der Hinweis, dass die Navigatoren gerne stark gewürzte Speisen zu sich nehmen!

So, einen Blick auf das Cover muss ich aber diesmal mit in die Rezi packen. Waren die bisherigen Cover nicht unbedingt hohen Standards was Anatomie oder Proportionen angeht, so schießt das Cover dieses Buches doch wirklich den Vogel ab. Die Zeichnung von Geoff Taylor hat weder korrekte Perspektiven, noch Proportionen oder auch nur Dynamik. Ein furchtbares Teil und für Leute die Bücher nach dem Cover kaufen sicher abschreckend.

Schlußendlich muss ich sagen, dass Wolfsklinge trotz einiger kleinen Schwächen der bisher beste Roman von King über Ragnar ist. Der Held wird weiter definiert, die Hintergrundwelt ausgebaut und die Action ein kleines bisschen zugunsten der Handlung zurückgefahren. Leider wird immer noch nicht geklärt, wieso Ragnar keine Graumähne war, obwohl dies der eigentlich Aufhänger für die Geschichte ist. Naja, bleibt nur zu hoffen, dass King nochmal zu Ragnar Schwarzmähne zurückkehrt und seine Geschichte weiter beschreibt.
Kann man sich als Warhammer 40k-Fan ohne Probleme zu Gemüte führen.


Name: Wolfsschwert 
OT: Wolfsblade 
Verlag: Heyne {jcomments on}
Sprache: deutsch
Autor: William King 
Empf. VK.: 7,95 Euro 
Seiten: 349 
ISBN: 3453520114