Shadowrun #034 - Technobabel

In den großen Industriekonzernen herrscht Alarmstimmung. Renraku Computer Systems, einer der weltweit führenden Computer-Giganten, fegt mit seiner hochmodernen Technologie die Konkurrenz förmlich vom Markt. Die in ihrer Existenz bedrohten Firmen verklagen Renraku wegen Industriespionage vor dem Konzerngerichtshof, aber Richterin Osborne als Vertreterin der Anklage steht vor einem schwierigen Problem: Sie hat keine Beweise, denn ihr einziger Zeuge ist wie vom Erdboden verschluckt. 
vom Backcover von Technobabel

Ich kann schon förmlich die Unkenrufe meines Co-Rezensenten hören, wenn ich ihm erzähle, dass ich diese Buchkritik verfasse. Allgemeine ist es sinnvoller neue Produkte zu rezensieren, ja, da stimmt ich zu. Aber dieser Roman verstaubte nun schon seit Jahren im Regal also nahm ich mich seiner mal an. Technobabel von Stephen Kenson ist 1999, also vor nunmehr sechs Jahren erschienen und war jahrelang der Hit bei allen Taschenbuchtagen und gutes Füllmaterial für die Mängelexemplarkiste.
Der Autor ist aber beileibe kein Unbekannter. Er bezeichnet sich auf seiner Homepage (http://www.stevekenson.com) selbst als ,Professional Geek' und mit einem Blick auf sein Oeuvre bin ich geneigt ihm zuzustimmen. Er hat einige der wichtigsten Quellenbücher für Shadowrun verfasst und war auch in der WoD und im d20-Sektor nicht untätig. Zuletzt etwa schuf er das sehr gute Mutants & Masterminds von Green Ronin Publishing. Technobabel war sein erster Roman für Shadowrun, aber dem folgten noch drei weitere.

Mit der Handlung spoilere ich sicher niemanden, denn die Ereignisse nun schon intime wie outtime Jahre zurückliegen.
Ein Mann wacht in der Gosse auf und schildert als Ich-Erzähler seine Eindrücke, kann sich aber an nichts erinnern. Als er von einigen fiesen Straßentypen dann weggebracht wird, muss der Leser einen ungemein gezwungen wirkenden Dialog des Straßenpacks ertragen. Die beiden fassen nämlich die Shadowrunwelt, samt Rückkehr der Magie, Goblinisierung, usw. mal eben im normalen Gespräch zusammen. Klar, wenn ich Leute von der Straße auflese spreche ich auch nur über Geschichte. Den Leichendieben dann entkommen, gerät er dann von einer obskuren Organisation zur nächsten. Zunächst sammelt ihn ein Stadt-Stamm ein, der in einer heruntergekommen Gegend haust. Dort wird dem Mann ohne Gedächtnis erklärt, das er ein Kind der Matrix (oder auch Otaku) sei und zum Stamm gehören würde. Da er keine bessere Erklärung hat, bleibt er erstmal bei ihnen. Zur gleichen Zeit treffen sich die Richter des Konzerngerichtshofes im Orbit um einen Fall zu verhandeln. Der Megakon Renraku hat in letzter Zeit ordentlich zugelegt und sein größter Konkurrent Fuchi zeigt ihn nun wegen angeblicher Konzernspionage an. Die Handlung im Konzerngerichtshof wirkt aber immer als nebensächlicher Handlungsschauplatz und bringt die Handlung um den Otaku nicht direkt weiter. Dazu werden die Richter des Hofs alle ausführlich und detailiert vorgestellt, obwohl sie für den Roman praktisch keine Rolle spielen. Hier merkt man, dass Kenson normalerweise Quellenbücher schreibt und dort hätte dieser Teil auch viel besser hineingepasst. Fuchi fehlen jedoch Beweise um ihre Anklage zu untermauern. Beweise die Babel, so der neue Name des gedächnislosen Otaku, zu haben scheint. Das macht ihn zu einem attraktiven Ziel für beide Megakonzerne.

Technobabel ist kein gewöhnlicher Shadowrunroman, da es keinen Shadowrun an sich gibt. Es geht um die großen Veränderungen im SR-Universum, die Anfänge des Konzernkrieges, die Intrigen von Drachen und unsterblichen Elfen und das Auftauchen der „Matrixschamanen“.

Obwohl wahrlich viel geschieht, hatte ich als Leser oftmals das Gefühl nur Beobachter von etwas zu sein, das entweder später wichtig wird, oder das nicht aufgelöst werden soll. Das Ende z.B. ist in höchstem Maße verschlüsselt und wirft mehr Fragen auf, als der Roman überhaupt lösen konnte. Zudem merkt man dem Roman an, dass es sich um ein Erstlingswerk handelt. Der Spannungsbogen wird noch nicht richtig gespannt und gerade anfangs tröpfelt die Handlung eher dahin.
Das Cover zeigt zwar eine Szene aus dem Roman, doch hätte man dem Künstler erklären sollen, wie Ghule, Menschen und Städte bei Shadowrun aussehen. So bestimmt nicht...

Wer auf große Action steht, wird hier enttäuscht werden, denn Technobabel ist ein Roman der großen Storyline. Mit allen Vorzügen und Schwächen die sich daraus ergeben. Wer unbedingt dem Metaplot bei Shadowrun von Anfang bis Ende folgen will, kommt an diesem Roman nicht vorbei, aber alle anderen schlagen lieber bei einem anderen Werk der Reihe zu.

 


Name: Technobabel  
OT: Technobabel  
Verlag:  Heyne
Autor: Stephen Kenson  {jcomments on}
Empf. VK.: 7,95 Euro  
Seiten: 350  
ISBN: 3453156595