DSA #088 - Maraskengift

Der Dschungel Maraskans zählt zu den tödlichsten Regionen Aventuriens. Darum begibt sich Brindijin auch nicht allein auf seine Expedition in den Urwald, sondern sucht den Schutz einer kleinen Reisegruppe. Doch dann stellt sich heraus, dass unter den Mitreisenden ein gedungener Meuchler ist! Und nun fragt sich Brindijin verzweifelt, wem er zuerst zum Opfer fällt, dem unheimlichen Mörder oder dem ... Maraskengift?
vom Backcover von Maraskengift

Wie der DSA-Fan bereits unschwer an Titel und Cover erkennen kann, spielt dieser Roman auf Maraskan. Diese große Insel im Osten Aventuriens ist den meisten Menschen Deres sehr suspekt. Dort gibt es, sofern man der öffentlichen Meinung Glauben schenkt, nur giftige Pflanzen, gifte Insekten und Attentäter mit vergifteten Waffen. Dass Maraskan aber einen sehr phantasievollen Hintergrund bietet, selbst angesichts der umstürzenden geschichtlichen Ereignisse der letzten Jahre, das zeigt Markus Tillmanns in seinem Roman.

Nach Todgeweiht setzt er dem Leser erneut eine knifflige Kriminalgeschichte vor, die er durch sein Sprachgefühl auch gut zu erzählen weiß. Der Autor lässt die Geschichte von zwei Erzählern vortragen, von denen jeweils einer ein Kapitel lang reden kann. Allerdings sind sich die beiden Erzähler bisweilen uneins, was einige Details angeht, so dass die Hauptperson der Erzählung, abwechselnd Brindijin und Brindijian heißt. Zusätzlich ändern andere Charaktere ihr Geschlecht, ihre Haarfarbe oder ihr Alter. Jeder der Erzähler weist am Anfang der Kapitel auf die Fehler oder vergessenen Teile der Geschichte hin, die sein Vorredner ausgelassen hat. Diese Form der Erzählung ist zunächst sehr gewöhnungsbedürftig und für den Leser verwirrend, hat aber einen Sinn, welcher sich im Epilog schlußendlich auflöst. Eine eigentlich geschickte Form der Erzählung, der Leser muss nur bis zum Ende durchhalten, um die Auflösung zu erleben. Genau da liegt aber auch das Problem, denn bis zum Ende fragt man sich immer wieder, was nun eigentlich dieses Verwirrspiel soll. Das kann auch dazu führen, dass der Leser einfach frustriert das Buch beiseite legt.

Inhaltlich geht es um die Reise Brindijins/Brindijians von Sinoda nach Jergan, um einen geheimen Auftrag zu erfüllen. Für seinen Weg durch den extrem gefährlichen Dschungel schließt er sich einer Gruppe an, in der jeder seine eigenen Geheimnisse und Pläne hat. Neben dem tödlichen Dschungel führen diese Geheimnisse voreinander immer wieder zu Problemen und neuen Lügen, was die ganze Erzählung spannend hält. Ständig kommen neue Fakten ans Licht, die aber auch neue Fragen aufwerfen. Der Leser, wie auch wie Brindijin/Brindijian, hegt neue Verdächtigungen und legt sich neue Pläne zurecht, um hinter die Geheimnisse der anderen zu gelangen.

Dabei bleibt der Hauptcharakter immer erfreulich menschlich. Er begeht Fehler, ist neugierig, raffgierig und lässt ungerne eine Situation aus, die für ihn vorteilhaft ist. Während der Leser mit ihm Maraskan und die dortigen Gefahren erlebt, führt der Autor geschickt schier endlos viele Informationen über die Insel und ihre Bewohner samt deren einzigartiger Weltanschauung ein. Fans von Maraskan müssen diesen Roman lesen, da führt eigentlich kein Weg dran vorbei. Es wird einfach ein wunderbares Gefühl für die maraskanische Lebensart vermittelt, die wohl kein Mittelreicher jemals verstehen kann.

Wer also an maraskanischer Zahlenmystik, tödlichem Dschungel, intelligenten Krimikonstruktionen und einem guten Schreibstil interessiert ist, der sollte sich nicht von der verwirrenden Erzählform abschrecken lassen, sondern zugreifen.


Name: Maraskengift 
Verlag: Fanpro 
Sprache: deutsch
Autor: Markus Tillmanns {jcomments on}
Empf. VK.: 9 Euro 
Seiten: 361 
ISBN: -13 9783890644578 / -10 3890644570