Forstchen, William R. und Ben Ohlander: Wing Commander - The Price of Freedom

Jene, die hier schon länger mitlesen, die wissen, was für ein bekennender Fan von „Wing Commander“ ich bin. Jene, die es nicht tun, können es entsprechend in der Rezension zum „Wing Commander“-Kinofilm en detail nachlesen.
Fakt ist, dass die Videospiel-Reihe rund um den Krieg der Menschheit gegen die bösen, katzenartigen Kilrathi, später dann auch gegen andere Widersacher, einer der Spieleklassiger der 90er war. Zwar ist er, wie fast alle guten Reihen seiner Zeit, mittlerweile komplett vom Markt verschwunden und nur noch Teil der Erinnerungen einiger Nostalgiker, doch es war etwas ganz besonderes. „Wing Commander“ war neben den X-Wing-Spielen wohl ewig der unangefochtene Vertreter flotter Weltraum-Action und zugleich, ab dem dritten Teil, auch einsamer Vorreiter für eine Spielpräsentation, die den so oft gescholtenen interaktiven Film mit viel echtem, viel gutem Gameplay verband. Chris Roberts, damals Entwickler der Reihe, gelang es, durch die Verpflichtung guter bis erstklassiger Schauspieler, man denke nur an Mark Hamill, Malcolm McDowell, John Rhys-Davies, Thomas F. Wilson und Marc Dacascos, echten Hollywood-Flair zu erzeugen und mit einem Budget von knapp 10 Millionen Dollar seinerzeit „Wing Commander IV: The Price of Freedom“ mit den bis heute wohl aufwendigsten Videosequenzen der Videospielgeschichte auszustatten.
Hollywood bedeutet auch immer Tie-In-Produkte und somit erschienen zu jener Zeit, als die Leute das Kürzel „WC“ eben noch mit Wing Commander und noch nicht mit Warcraft verbanden, als die Spielefirma „Origin“ noch jemandem ein Begriff war und Spiele nicht von anonymen Horden, sondern Leuten wie Richard „Lord British“ Garriot programmiert wurden, auch eine Reihe Romane zur Reihe.

Der vorliegende Roman ist bezeichnenderweise sogleich der letzte Teil, Nr. 5 von 5 nach „Freedom Flight“, „End Run“, „Fleet Action“ und „Heart of the Tiger“. Der Grund für die Einzelbesprechung liegt darin, dass „The Price of Freedom“ eine alleinstehende Geschichte nach dem Krieg gegen die Kilrathi ist und somit auch für sich alleine genommen gelesen werden kann, wenn man etwa nur den Kinofilm gesehen hat.
Warum man das tun sollte? Nun, kurz und knapp, es ist ein hervorragender Space Opera-Roman geworden. Military Space Opera, genau genommen. Das Autorengespann, von denen zumindest Forstchen auch bereits an den Bänden zwei, drei und vier beteiligt war, schafft es gekonnt, die an sich überraschend komplexe Geschichte in dem doch eher geringen Rahmen zu erzählen.
Nach einem eher schleppenden Anfang wachsen einem die Charaktere schnell ans Herz, sind überzeugend gezeichnet und weisen sogar mehr Charakterzüge auf, als man das von normalen Trivialliteratur des Genres gewohnt ist.
Doch auch der klassische Wing Commander-Flair kommt nicht zu kurz. Wo „Star Wars“ ja häufig als „Mantel und Degen“ im Weltall beschrieben wird, vermittelte die Wing Commander-Reihe stets den Flair von U-Boot- und Flugzeugträger-Geschichten, mit viel militärischem Slang, persönlichen Problemen aus hierarchischen Gründen und wiederholt gestellter Frage nach der typischen „Soldatentreue“ im Disput mit gesundem Menschenverstand.

Interessant daran ist, dass sich „Price of Freedom“ da vielseitiger gibt als andere Vertreter des Genres. Der Roman gibt sich viel Mühe zu betonen, dass hier – anders als früher – wieder Menschen auf Menschen schießen und es entsteht schon alleine daher eine größere Grauzone, als sie in einem Krieg zwischen Menschen und interstellaren Katzenwesen auch nur denkbar gewesen wäre.
Wer das Spiel gespielt hat, der kennt den Schuldigen zwar, kann sich aber dafür über viele Vorausdeutungen freuen. Forstchen und Ohlander haben sich dabei zwar mancherlei Freiheiten gegenüber der Vorlage genommen, aber stets im Geiste der erzählten Geschichte und zu Gunsten der Dramaturgie der Erzählung.
Einzig befremdlich ist wohl, dass ausgerechnet der Dialog, in dem im Spiel der Titel der ganzen Geschichte geprägt wurde („Und vergessen sie niemals, der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit.“), in dem Roman nicht zu finden ist. Aber das ist natürlich nur ein Detail...

Man darf aber natürlich jetzt keine große Literatur erwarten. Zwar fand ich als Politikstudent die Anwendung der Genfer Konvention auf Raumkriege ganz spannend, aber das erstreckt sich mal eben auf anderthalb Seiten. Natürlich geht die Geschichte mit ihrer Frage, wie viel man opfern kann, um die Freiheit zu erhalten – auch, wieviel Freiheit man opfern muss, um Freiheit zu erhalten – auch auf ein Thema ein, dass in unserer Post-9/11-Epoche nicht weniger brisant ist.
Aber das alles spielt sich im Hintergrund ab, immer wieder untebrochen von immer spannend geschilderten, aber manchmal doch etwas unmotivierten Raumkämpfen. Aber gerade weil diese so gut geschildert werden und nette Anlehnungen an die reale Gegenwart haben („Tallyho!“) machen auch diese einfach Spaß.

Man muss also abschließend vor allem eine Frage beantworten, wenn man darüber nachdenkt, ob „The Price of Freedom“ seine sieben Euro wert ist. Hat man Spaß an spannend geschrieben Raumkämpfen, die sich zumindest dezent und am Rande mit Freund/Feind-Loyalitäts-Fragen auseinandersetzt? Mag man Military SF und die militärische Sprache, wie man sie auch etwa in kontemporären Filmen wie „Crimson Tide“ hören kann?
Wenn ja, und wenn man dann noch zumindest in irgendeiner Form mit dem Wing Commander-Universum Kontakt hatte, dann sollte man zugreifen, zumal das Buch ja nicht allzu teuer ist.
Alle anderen können – müssen aber nicht.


William R. Forstchen und Ben Ohlander
Wing Commander: The Price of Freedom{jcomments on}
345 Seiten Softcover, Baen Books
ISBN: 0-571-37751-8