Reitende Leichen - Sammelbox

"Dieser Nebel … ist kein Nebel.
Dieses Schiff … ist kein Schiff.
Nichts ist wirklich.
Die Gesetze der Physik gelten hier nicht.
Die Zeit hat einen Sprung."
- aus Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen

Einleitende Worte
Nun, der Scorpio hat ja mit seiner Rezension des „Blutgerichts der Reitenden Leichen“ schon einen Start hingelegt, doch da Scimi und ich uns am Wochenende die ganze Filmreihe gegeben haben, denke ich, wage ich dieses Mal den kompletten Rundumschlag und rezensiere die gesamt eitergelbe und zum würgen hässliche limitierte DVD-Sammlerbox „Reitende Leichen.
Es sind alles Filme, die einen gewissen Kultstatus genießen. Filme, die einen B-Movie-Fan zum jubeln bringen und den normalen Zuschauer wahrscheinlich mit ihrer, nun, Antiqualität umbringen können.

Doch … ich denke, wir gehen die Reihe erst einmal durch...

„Die Nacht der Reitenden Leichen“ (La Noche del terror ciego)
Der erste Film der Reihe ist schon ein richtiger Oldtimer und ausstattungstechnisch wohl auch der Schlimmste der vier Filme.
Ein junges Mädchen trifft an einem Swimmingpool eine alte Schulfreundin wieder und fährt mit zusammen mit ihr und ihrem Freund zusammen in Urlaub. Da sie glaubt, ihr Freund würde ihrer Schulfreundin schöne Augen machen springt sie vom fahrenden Zug und sucht in einer nahe gelegenen Ruine Unterschlupf, wo sie dann, Überraschung, den reitenden Leichen zum Opfer fällt. Die beiden auf dem Zug Verbliebenen rücken bald darauf mit einem bösartigen Schmuggler und seiner Freundin aus, um nach der Verschollenen zu suchen und erneut wittern die reitenden Leichen Beute...
Der Film bietet eigentlich alles, was man erwartet. Eine unsinnige Handlung, schlechte Schauspieler, eine grottige Synchro (einige Sätze scheint man sogar vergessen zu haben, die sind weiterhin spanisch!), eine teils recht gute, teils hundsmiserable Ausstattung (genau, Frauen im Mittelalter trugen immer Tops und Shorts unter ihren Leinengewändern), relativ viel nackte Haut (und wir lernen, junge spanische Frauen tragen niemals Unterwäsche...), eine unmotivierte Lesbenszene und vieles mehr.
Von allen reitenden Leichen ist dies hier noch der allerschrottigste, was die Produktion anbelangt, aber durchaus Unterhaltsam für Freunde von Filmen dieser Art.

„Die Rückkehr der Reitenden Leichen“ (El Ataque de los muertos sin ojos)
„Der Schauplatz des Films ist wieder das kleine spanische Dorf mit der Burgruine“, so heißt es auf dem Backcover des zweiten Films, diesmal aus dem Jahr 1973. Dort spielte nicht nur bereits der erste Teil, dort trieben auch vor einigen Jahr die bösen Tempelritter ihr Unwesen. Doch sie wurden von der Dorfbevölkerung gefangen genommen und als sie drohten, als Untote wiederzukehren, so brannte man ihnen die Augen aus, bevor man sie ganz verbrannte.
Dies war der Ursprung der reitenden Leichen, die nun, am Festtag ihrer 500jährigen Verbrennung, zurückkehren und auf die Jagd gehen.
Der Film macht dabei eigentlich alles, was der erste Teil gemacht hat, ist allerdings minimal besser ausgestattet und noch einmal minimal dümmlicher.
Die Mittelalterszenen sehen nicht mehr ganz aus wie aus einer Schulaufführung, dafür ist der Plot um das Volksfest, das zur Feier der verbrannten Templer abgehalten wird, natürlich eine selten dämliche Idee.
Es läuft aber wieder auf das Bekannte heraus: reitende Leiche jagen kreischende Frauen, die ein Faible dafür haben, sich auszuziehen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen und ab und an wird auch mal jemand getötet.

„Das Geisterschiff der Schwimmenden Leichen“ (El Buque maldito)
Der dritte Teil der Reihe ist sicherlich ein kleines Glanzstück, denn diesmal verschlägt es unsere Untoten auf die hohe See. Was die da machen? Nun, das haben wir uns auch gefragt...
Jedenfalls ein eine Bootsfirma eine ganz tolle Idee: um ihr neues Motorboot zu promoten, wird die Nussschale mit zwei leichtbekleideten und attraktiven Frauen auf dem Meer ausgesetzt, damit ein großer Frachter oder so sie findet und alle sich denken „Wow, das kleine Boot ist so weit raus getrieben ohne zu sinken?“
Allerdings ist es kein Frachter, der sie findet, sondern das titelgebende Geisterschiff und als die beiden Mädels naturgemäß nicht mehr wiederkehren, rücken der Bootshersteller, seine Gespielin, sein brutaler Leibwächter/Sklave/was auch immer, eine Freundin der Verschwundenen sowie ein Meteorologe (!) aus, um dem auf den Grund zu gehen. Was passieren wird ist klar, oder?
Das Geisterschiff ist mit Sicherheit der dümmlichste Film der ganzen Reihe – neben der von vorne bis hinten blödsinnigen Handlung hat der Film vor allem einen konzeptionellen Fehler: die reitenden Leichen haben hier keine Pferde mehr, daher auch die Varianz im Titel.
Das Problem ist, dass die Leichen quälend langsam sind und daher, komme was wolle, der letzte sterbende Funken Dramatik der Vorgänger schnell erloschen ist. Da läuft die junge Blondine vor ihnen Weg, verfolgt von Schlafmützen, denen selbst ein Einbeiniger weglaufen können sollte. Aber nein, die jungen Damen bleiben stehen, drehen sich um, kreischen, laufen einen Meter, drehen sich um, stöhnen, laufen einen Meter, verfangen sich mit dem Fuß in einer Holzplanke (auch 'ne Leistung, oder?) und irgendwann haben die Leichen sie dann.
Ebenso grandios auch der Schluss, an dem einige Protagonisten (alle unsympathischen, jene, die man leiden kann, sterben schon vorher) am Strand liegen, ausgelaugt. Vom Meer her nahenden die schwimmenden Leichen und es dauert über fünf Minuten, bis diese mal an den bewegungslosen Körpern angekommen sind.
Meine Fresse.
Der Film ist sicherlich der größte Unsinn von allen, ich meine, hey, selbst in einer Reihe über reitende Leichen, und dabei auch wieder weit schlechter gemacht … vor allem das Modell vom Geisterschiff ist schon zum Schreien schlecht … dennoch, der Trash-Fan kommt sicherlich auf seine Kosten.

„Das Blutgericht der Reitenden Leichen“ (La Noche de las gaviotas)
Entgegen der Info in Scorps Rezi nicht der Auftakt sondern das Ende der Reihe bildet dann das „Blutgericht“, in dem wir erneut in unser Lieblingsdorf zurückkehren und erleben, was einem Ehepaar widerfährt, als es an die spanische Küste zieht.
Der Scorp hat in seiner Einzelrezi eigentlich schon alles nennenswerte geschrieben, ergänzen sollte man noch, dass der Film, so traurig es ist, eigentlich der Beste von allen ist und die Austattung mit Sicherheit am besten gelungen ist. Natürlich ist der Plot auch hier wieder so richtig dicke sinnlos, aber was habt ihr erwartet?
Jedenfalls endet hiermit auch der Zyklus der Reitenden Leichen, so dramatisch, wie die Reihe es verdient.

Zur Umsetzung:
Allen Filmen, mit Ausnahme des dritten Teils, ist das Setting gemein, die alte Burgruine in Spanien. Und die sieht sogar richtig gut aus, ebenso wie der Friedhof dahinter, aus dem sich zumeist die Leichen erheben.
Diese wiederum sind schon ein wahrer Genuss. Grundsätzlich sehen sie recht gut aus, haben gute Masken und Kostüme, ihre Hände allerdings sind ein Fall für sich. Um möglichst skelettierte Arme zu erschaffen, handelt es sich dabei um nahezu unbewegliche Arme, die sie vor sich her tragen. Dazu kommt ihre enorme Marschgeschwindigkeit von mindestens einem Kilometer pro … Woche. Auf Pferden kommen sie wirklich gut, ohne allerdings sind sie noch bedeutend langsamer als die meisten Zombies, die ich je in einem Film gesehen habe.
Manchmal führen sie Schaukampfschwerter (die besonders ungefährlichen mit der abgerundeten Spitze), die werden aber auch primär zum Einschlagen von Türen gebraucht … und sie sind blind.
Ja, richtig gelesen, die Reitenden Leichen sind blind, was bedeutet, wer unbemerkt stehen bleibt, der wird von ihnen auch nicht wahrgenommen.
Das sie dennoch bei der Jagd fast immer Erfolg haben liegt an ihrer genialen Methode, immer nach einem Wechsel der Kameraperspektive plötzlich exakt richtig zu stehen...

Die Bildqualität ist so, wie man es von einem Film aus den frühen Siebzigern befürchten muss, auf der DVD liegt außerdem nur die deutsche Tonspur vor, Laser Paradise mal wieder in Hochform also.
Das ist dann aber eigentlich auch egal – die Filme sind schrottig und erfüllen nun wirklich JEDES nur erdenkliche Klischee, machen daher aber auch den Leuten, die Spaß an so etwas haben, entsprechend Freude.
Wer aber auf gut gemachten Horror steht, der ist hier irgendwie falsch. Die Filme sind zwar generell nicht schlecht *gedacht*, ihre Ausführung lässt sie jedoch vor allem eins sein: ein perfektes Sinnbild des frühen, falsch, des uralten spanischen Splatter- und Horrorfilms.
Da allerdings greift dann abschließend noch der Faktor der „neuen, geänderten Version“, denn alle vier Filme sind auf „ab 16“ gekürzt worden, was man stellenweise zwar bemerkt, was aber nun auch nicht mehr wirklich zu eine m Qualitätsverlust führt, denke ich.

Fazit:
Tja, wer die Filme wirklich schätzt und zu den Klassikern des Splattergenres zählt, dem wird die Edition in ihrer mauen Ausführung sicherlich nicht mögen.
Wer gute, professionelle und spannende Filme schätzt, dem werden die Filme selbst in ihrer mauen Ausführung nicht zusagen.
Wer aber auf Trash steht, so richtig dick aufgetragen, Effekt schlechter als der andere, schlapper Synchro, einfältigen Dialogen, dünner Handlung und richtig viel Unsinn, der tätigt mit den Reitenden Leichen sicherlich keinen Fehlkauf, zumal die Box, wenn sie einem dann mal in die Hände fällt, auch nicht allzu teuer sein dürfte.

Die Sammelbox der Reitenden Leichen
Die Nacht der Reitenden Leichen
Die Rückkehr der Reitenden Leichen
Das Geisterschiff der Schwimmenden Leichen
Das Blutgericht der Reitenden Leichen


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