American Beauty

Jane: Sorry, I'm late...
Carolyn: Oh, no, no, no, that's quite alright dear. Your father and I were just discussing his day of work. Why don't you tell your daughter about it, hunny?
Lester: Today I quit my job...
Carolyn: *krankhaftes Lachen*
Lester: ...and then I told my boss to go fuck himself, and then I blackmailed him for almost 60,000 Dollars. Pass the asparagus.
Carolyn: Your father seems to think this type of behavior is something to be proud of.
Lester: And your mother seems to prefer I go through life like a fucking prisoner while she keeps my dick in a mason jar under the sink.
Carolyn: How dare you speak to me that way in front of her. And I marvel that you can be so contemptuous of me, on the same day that you LOSE your job.
Lester: Lose it? I didn't lose it. It's not like, "Whoops! Where'd my job go?" I QUIT. Someone pass me the asparagus!!
- aus American Beauty

Zur Handlung:
Familie Burnham ist die typische amerikanische Familie. Lester, der Familienvater, ist ein unwichtiges Rädchen in einem mittelgroßen Betrieb und wankt auf dem schmalen Pfad, nicht wegrationiert zu werden, seine Ehefrau Carolyn lebt in dem Wahnsinn, sich ihr tristes Leben schön zu denken und ist nebenher auch erfolglos berufstätig und ihre gemeinsame Tochter Jane durchlebt gerade ihre rebellische Phase.
Doch innerhalb weniger Tage bricht ihr kleines, erdachtes Biedermann-Idyll zusammen, als Lester sich in Angela, die beste Freundin seiner Tochter, verliebt und daraufhin beschließt, aus seinem grauen Alltag auszubrechen und noch mal etwas zu leben.
Die Schockwellen dessen treiben Carolyn zunächst fast vollständig in die Verzweiflung und dann in die Arme ihres ärgsten Konkurrenten, während ihre Tochter mit dem gerade zu obsessiven bis spannenden Nachbarsjungen Ricky eine Beziehung beginnt, der seinerseits wiederum unter der Last seines militärisch-strengen Vaters und der Last seiner geistig kranken Mutter leidet.
Und all das beobachtet der Zuschauer mit dem eisigen Wissen, das Lester das Ende des Films nicht mehr erleben wird...

Zur Umsetzung:
Es gibt diese Geheimtipps, die doch jeder kennt. Filme, die nie den vollen Durchbruch bei der breiten Masse erzielten, obwohl sie nur Lob erfahren haben und vermutlich sogar reich prämiert wurden. „American Beauty“ ist so ein Fall.
Der Film von Regisseur Sam Mendes („Road to Perdition“) hatte gerade in Amerika einen sehr geteilten Stand, denn während er auf der einen Seite mit Lob überschüttet und mit fünf Oscars (darunter „Best Picture“) belohnt wurde, hatte er auf der anderen Seite von der MPAA eine Wertung von „Rated R for strong sexuality, language, violence and drug content“, in den Staaten sicherlich ein Makel.

Das Interessante ist: obwohl jeder einzelne Unterpunkt zutrifft (es gibt Sexszenen, sogar nackte Minderjährige, Gewalt und unverurteilten Drogenkonsum) ist nichts davon Kerninhalt des Films, er ist weder Porno noch Splatter, er ist eine Satire.
Und zwar eine Geniale.

Wiedereinmal dreht es sich um den American Way of Life, aber eigentlich ganz allgemeingültig um Kleinbürgertum.
Die künstliche Idylle der Burnhams ist sicherlich kein rein fiktionales Konzept, es gibt genug Menschen, die wohl so leben. Ohne Ziele, ohne Eingeständnisse, sich selbst betrügend.
An dem Punkt, an dem Lester aus dem Schema ausbricht, natürlich primär um seiner Begierde nach Angela zu folgen, zerfällt es auch schnell in viele Scherben.

Eine Szene, die für den Film wohl symptomatisch ist, ist ein Gespräch zwischen Lester und dem Nachbarssohn Ricky, welchen er zufällig trifft. Sie unterhalten sich und Rickys Arbeitgeber kommt heraus, erklärt, dass seine Angestellten so etwas nicht tun.
Daraufhin kündigt Ricky, ohne mit der Schulter zu zucken und Lester ernennt ihn zu seinem persönlichen Helden.
Irgendwie ist es so mit dem ganzen Film. Lester bricht nach und nach die ungeschriebenen Gesetze seines Lebens, kauft sich das Auto das er immer wollte, nimmt Drogen und geht eben seinen persönlichen Zielen nach … so wie die meisten Charaktere in dem Film nach und nach bewusst Grenzen überschreiten.
Der Film ist dabei jedoch auch ehrlich – die Grenzübertritte bringen allen Charakteren durchaus Freude, doch das es auf lang Sicht sehr fatale Kurse sind ist dem Zuschauer immer klar...

Drei Dinge schaffen es dabei, den Film in die absolute Königsklasse zu heben: Schauspieler, Drehbuch und Regie.
Kein einziger Schauspieler in dem Film spielt schlecht, alle liefern grandiose Leistungen ab.
Allen voran Kevin Spacey als Lester Burnham, der seinen Charakter wirklich zum Leben erweckt und in seiner ruhigen, vielleicht einfach fatalistischen Spielweise auch direkt einen wunderbaren Gegenpool zu seiner von Annette Bening gespielten Ehefrau bildet.
Chris Cooper, der Rickys Vater spielt, ist ebenfalls nur zu loben und schafft es, auf den ersten Blick bereits wie ein verkappter Militär-Veteran zu wirken, während sein Sohn, gespielt von Wes Bentley, sowohl als mysteriöser Spanner, Krimineller, Kumpel und Janes Freund überzeugt.
Vor allem gefällt aber auch die Leistung der beiden jungen Schauspielerinnen. Thora Birch, die mir – neben ihrer Rolle als Harrison Fords Tochter in „Patriot Games“ und „Clear and Present Danger“ - nur als Empress Savina in „Dungeons and Dragons“ eher negativ aufgefallen war, liefert als Jane Burnham eine grandiose Leistung zwischen Rebellion, Zerrissenheit, Unsicherheit und erster, großer Liebe und ihre Filmfreundin steht ihr da in nichts nach. Angela wird von Mena Suvari gespielt, die man sonst auch noch nicht in wirklich großen Rollen gesehen hatte und schafft es ebenfalls, ihren Charakter dem Zuschauer glaubwürdig zu verkaufen, wie er irgendwo zwischen Prestige, Spaß und übermäßigem Selbstbewusstsein steht.

Damit sie diese Rollen so füllen konnten bedurfte es natürlich eines guten Drehbuchs und das hat Alan Ball bravourös geschafft. Der Film hat eigentlich keine Handlung und dennoch keine Längen, alle Charaktere sind tiefgründig und jeder trägt, gemäß der Intention, irgendwo seine schützenden Masken und es ist einfach interessant, ihnen bei der Verfolgung ihrer jeweiligen Ziele zuzusehen.
Außerdem gebührt ihm ein großes Lob für die Dialoge, die sicherlich auch einen großen Einfluss auf den humoristischen Part des Films haben, denn die Handlung wird eigentlich sehr ernst erzählt, es sind mehr die Charaktere in ihren Handlung und Aussagen, die dem Zuschaue sozusagen ein schiefes Lächeln ins Gesicht bannen, beispielsweise wenn Lester ein Beschwerdeschreiben aufsetzt dessen Wortlaut dann wie folgt lautet:
„My job requires mostly masking my contempt for the assholes in charge, and, at least once a day, retiring to the men's room so I can jerk off while I fantasize about a life that less closely resembles Hell.“
Oder auch:
Carolyn: Uh, who's car is that out front?
Lester: Mine. 1970 Pontiac Firebird. The car I've always wanted and now I have it. I rule!

Zuletzt bleibt eben noch die Kameraarbeit und der Schnitt zu loben, die ich selten so vielschichtig gesehen habe. Mal wirkt der Film wie eine Soap, mal wie ein reines Drama, mal wie ein Thriller und mal gar wie eine Doku, mal wird die Handlung aus dem Off erzählt, mal sprechen die Bilder für sich, manchmal sind sie sehr klar und „einfach“ gehalten, manchmal kommen gar aufwendige Spezialeffekte hinzu.
Der Film ist eine Wohltat für die Sinne und, was das wiederum nur noch höher hebt, unterstreicht damit auch noch die Aussage des Films.
Schlicht hervorragend.

Fazit:
„American Beauty“ ist einer der besten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe.
Er ist eine bitterböse Gesellschaftssatire, aber dennoch noch eine Geschichte über Menschen und Dinge, die Menschen tun, ist nicht so abgedreht wie etwa der, zweifelsohne ebenfalls großartige, Fight Club.
Nein, „American Beauty“ ist nur eine Übersteigerung dessen, was man in amerikanischen Suburbs vermutlich wirklich finden kann und ist sicherlich auch nicht weit von dem entfernt, was hierzulande passieren kann.
Er ist übertrieben, aber in exakt dem Maß, dass er für seine Gesamtwirkung braucht.
Er ist ein Film, den man einfach gesehen haben muss!


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