Robotic Angel

I am 'who'?
- Tima in "Robotic Angel"

Zur Handlung:
Red Duke, inoffizieller Herrscher der Stadt Metropolis, ließ eine Zikkurat bauen – eine Art "Tempel", mit der er kurzum die Welt sowie die Sterne erobern will. Zur Durchführung seines Plans hat er den Wissenschaftler Laughton mit der Konstruktion eines menschlich aussehenden Roboters, Tima, betraut, welche letztlich auf dem Thron der Macht sitzen soll. Sein Sohn Rock verabscheut den Plan seines Vaters jedoch, schleicht in Laughtons Labor, tötet den Wissenschaftler und zerstört die Apparaturen.
Just zu diesem Zeitpunkt treffen auch Shunsaku-Ban und Ken-Ichi dort ein, ein Japanischer Detektiv und sein Neffe, die ebenfalls aus anderem Grunde hinter Laughton her waren.
In dem Chaos des brennenden Labors werden die beiden getrennt und Ken-Ichi trifft auf die erwachte Tima und rettet diese aus den Flammen. Somit ist Red Duke erbost und will wissen, was vorgefallen ist, Rock jagt weiter hinter seinem Rücken hinter der jungen Roboter-Frau und ihrem Retter hinterher, Shunsaku-Ban will seinen Neffen wieder und dieser, letztlich, weiß gar nicht, wie ihm geschieht.
Und dies alles unter den Vorzeichen eines Staatsstreiches, denn nicht jeder in Metropolis ist von Red Duke und seiner Zikkurat begeistert.

Zur Umsetzung:
Willkommen zum zweiten Beitrag meiner großen Anime-Tour. Zwar warf unser Webhamster jüngst mit Recht ein, dass es, wo ich doch vor Urzeiten schon 'Hellsing' und die 'Animatrix' besprochen habe, nun Teil vier sein müsste, aber ich denke, damit wollen wir uns nun auch nicht wirklich aufhalten.
'Robotic Angel', soviel noch vorweg, erschien in allen anderen Ländern dieser Welt unter dem Titel 'Metropolis', offenkundig auch zu Recht, denn die Geschichte zeigt doch deutlich, dass hier Fritz Langs Stummfilm-Klassiker und Film-Meilenstein als Inspiration gedient hat.
Doch ich will mich nun ebenso gar nicht darüber auslassen, warum der Film dann ausgerechnet in Deutschland einen anderen Titel tragen musste. 'Robotic Angel' ist als Name nicht so blödsinnig wie man glauben kann, trotzdem zeigt sich mir der Sinn der Umbenennung nicht wirklich.

Was dem Film jedoch nicht genommen werden kann, sind die zahlreichen prominenten Namen, die in seiner Credit-Liste stehen. Osamu Tezuka schrieb den Manga, der hier als Vorlage dient und ist damit schon eine Institution für sich, denn er gilt als einer der Urväter des modernen Mangas und dürfte mit seiner Erfindung 'Astro Boy' weitreichenden Einfluss auf Klassiker wie 'Akira' gehabt haben.
'Akira' wiederum ist auch kein schlechtes Stichwort, denn mit diesem Film teilt sich der Vorliegende den Drehbuchautor Katsuhiro Otomo. Regisseur Rintaro letztlich ist auch unter dem Namen Hayashi Shigeyuki bekannt und war auch an zahlreichen erfolgreichen Animes beteiligt.

Was einen nun sofort nach Start des Films trifft und für die folgenden 104 Minuten auch nicht mehr loslassen wird, ist die optische Wucht der Inszenierung. Otomo und Rintaro waren sich einig, dass man für ein futuristisches Szenario wie Metropolis den Computer bemühen müsse und man hat es meisterhaft geschafft offenkundig gezeichnete Figuren mit, im Computer erstellten, aber von Hand nachbearbeiteten, Hintergründen zu kombinieren. Die Stadt wirkt einfach gewaltig, futuristisch und real, schafft es zugleich aber auch, sich nicht mit den gezeichneten Charaktere zu beißen.
Zugleich trägt das gleichsam geniale Design zum Ersteindruck bei, auf optischer wie akustischer Ebene. Denn neben dem futuristischen Szenario, mit fliegenden Zügen, glänzenden, bis über die Wolken hinaus in den Himmel ragenden Städten steht ein eindeutiger Einschlag der goldenen Jahre der Vereinigten Staaten gegenüber. Die Musik könnte geradezu den 1920ern entnommen sein (bzw. ist es teilweise auch), die Kleidung der Leute, selbst das konzeptuelle Design der modernen Elemente, alles atmet den Atem der Golden 20s. Ebenso wie die gezeichneten und Computer generierten Elemente ist auch dies eigentlich ein Stilbruch, der aber von der geschickten Ausgestaltung der beteiligten Künstler perfekt zu einer Symbiose getragen wird, die damit diesen Film bereits sehens- und nennenswert macht. Auch zwischen diesen Zeichnungen und der 20er-Epoche besteht aber eine erkennbare Beziehung, ist der gewählte Stil doch generell den Comiczeichnungen dieser Ära angenähert, dennoch auch (oder gerade) in der Tradition der Manga-Vorlage.

Bleibt die Frage, ob der Inhalt mithalten kann. Die Geschichte ist nichts Neues, so viel kann man klar sagen. Roboter, die Gefühle haben, Menschen, die sich mit ihrer Schöpfung als Möchtegern-Götter übernehmen und glänzende Zukunftsvisionen, die nur deshalb nicht funktionieren, weil die Menschen darin noch immer der alte, korrupte Schlag sind, sind einfach mittlerweile schlicht etablierte Motive des Genres.
Gerade jetzt lockt im Kino "I, Robot" mit teilweise sehr ähnlichen Ansichten und Motiven.

Darunter leidet der vorliegende Film dann auch leider, denn so schön die Geschichte erzählt wird, so bekannt ist sie irgendwo auch. Die Innovation, die Vision von etwas Neuem, wie sie der Gestaltung noch zugrunde lag, fehlt hier leider vollkommen.
Dann wieder muss man zumindest anerkennen, dass sie mit der Hilfe vieler schöner Charaktere erzählt wird. Ken-Ichi als naiver wie durchweg guter Held, der etwas vertrottelte Shunsaku-Ban oder auch Dr. Laughton erfüllen wiederum Klischees, dies aber sehr gut und unterhaltsam die Geschichte tragen. Doch gerade auf der Seite der "Bösen", wobei ich mich hier mit diesem Begriff erklärt schwer tue, gibt es sogar recht unerwartete Graustufen.
Red Duke, der selbst vom Backcover der DVD bereits als "skrupellosesten, machtversessenen Mann von Metropolis" verschrien wird und sicherlich auch kein 'guter' Charakter ist, hat eben doch einige Kehrseiten. Allem voran die Frage, warum Tima und nicht er letztlich auf dem Thron der Welt sitzen soll, ist hier zentral; eine Frage, die dann wiederum auch Rocks Handeln motiviert und ihn damit vom generischen 'Schurken aus Prinzip' abhebt und die, was auch positiv auffällt, versteckt im Dialog einiger Charaktere eine (mögliche) Antwort findet.

Somit bleibt der Makel der etwas abgestandenen Story, der Geschmack von 'altem Wein in neuen Schläuchen' ... aber um bei der Metapher zu bleiben: alter Wein reift ja bekanntermaßen mit dem Alter...
Schlimmer ist es da, dass der Spannungsbogen kurz vor dem Finale durch einen etwas ungünstigen Handlungsstrang, welcher sogar in der fertigen Fassung fast unbesehen geschnitten werden könnte, in ein tiefes Tal eintaucht. Das Finale selbst vertröstet dann zwar wieder darüber, doch auch hier bleibt ein etwas unangenehmer Nachgeschmack...

Wesentlich besser "schmeckt" dagegen die deutsche DVD-Umsetzung. Der Film liegt im japanischen O-Ton sowie in zwei ganz guten Übersetzungen (Deutsch in DTS und DD5.1, Englisch nur in DD5.1) vor, dazu gibt es Untertitel in den genannten Sprachen, wobei in der englischen Fassung zwischen der wörtlichen Übersetzung des Japanischen und der Untertitelung der englischen Sprachfassung gewählt werden kann.
Auf einer zweiten DVD erhält man dann noch zahlreiches Bonusmaterial, wobei man sich das Making of sparen kann, da es nur eine der typischen TV-Werbe-Sendungen für den Film ist, alles andere (Interviews mit den Machern, zwei Animationen im Multi-Angle-Vergleich der unterschiedlichen Entstehungsstufen, eine umfassende Hintergrundgeschichte in Texttafeln, Filmografien etc.) ist aber absolut sehenswert.
Dies, in Verbindung mit dem mittlerweile lobenswert niedrigen Preis der Edition ist alleine schon fast ein Grund, zuzugreifen.

'Robotic Angel' ist ein visuell und akustisch opulentes Meisterwerk, welchem leider auf der Handlungsseite das gewisse Etwas fehlt und dessen Spannungsbogen einfach ausgereifter hätte sein können. Ich bin mir sicher, dass man sich in Jahren noch an diesem Film erinnern wird. Was ich nicht weiß, ist ob man dann noch von 'Robotic Angel' selbst, oder nur seiner großartigen Optik sprechen wird.
Für den Zuschauer von heute ist dies aber freilich ziemlich egal. Der Zuschauer von heute sollte sich nicht lange fragen, ob er nun soll oder nicht – mit diesem Film macht man eigentlich nichts falsch!
Er ist rundum gut, unterhält über seine Spieldauer hinweg nahezu ohne Einbruch, hat schöne Charaktere, beeindruckt durch seine Optik und sein Design, ist hervorragend ausgestattet und billig noch dazu.
Was mehr kann man wollen?



Galerie
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