Midgard – Die Fahrt der Schwarzen Galeere

Eine Gefahr aus der Vergangenheit ist auferstanden und droht, die Welt Midgard ins Chaos zu stürzen. Sieben dunkle Meister sind geweckt worden und schmieden Pläne, das Valianische Imperium wieder zu errichten. Doch noch sind sie schwach. Erst müssen neue Machtbassen geschaffen und alte Feinde geschwächt werden, bevor die Sieben ihre Existenz offenbaren können.
vom Backcover von Midgard – Die Fahrt der Schwarzen Galeere

Willkommen zur Besprechung des nächsten Midgard-Bandes, den wir schon längst hätten besprechen sollen. Aber unsere Zeit ist begrenzt, die Anzahl der Rezensionen pro Person auch und daher musste „Die Fahrt der Schwarzen Galeere“ halt bis heute warten.
Es ist wie gewohnt ein Softcover von diesmal 79 Seiten Umfang, damit zwar nicht der dickste Band, aber im Rahmen.
Das Cover dagegen macht unmissverständlich klar, was hier vor uns haben. Wir sehen einen Dschungel, dicht bewuchert und mit seltsamen Pflanzen ausgestattet. Darin, im Zentrum des Bildes, eine Art Magierkreis mit sechseckigem Stern. An einem der Enden steht eine humanoide Echse (im zweiten Abenteuer des Bandes sollen wir erfahren, dass es sich mutmaßlich um den Sritrahexer Ssrakirra bei der Exerzierung des Zaubers Person beschwören ist), die nicht nur ein Becken, breit wie ihre Schultern, hat, sondern auch noch in der Linken ein Buch und in der Rechten eine nicht gespannte Armbrust hält.
Ihr zu Füßen liegt ein Mann, der offenbar gerade äußerst ungünstig beschworen wurde, trägt er doch nichts außer einem eher an Windeln gemahnenden Schurz und einen eher kläglichen Dolch mit sich. Wie so oft scheinen auch bei diesem mal wieder Beine und Körper fehlerhaft verwachsen zu sein.
Ein Blick ins Impressum bestätigt meine Vermutung – Werner Öckl war am Werk. Während man sich also eigentlich noch fragt, warum der Mann immer wieder was zeichnen darf, fragt sich der gänzlich unbedarfte Leser mutmaßlich eher, was diese seltsame Kreation mit einer schwarzen Galeere zu tun hat.

Aber so einfach ist das ja nicht, denn das Buch, im Inneren übrigens abseits der schnieken Handouts nicht wirklich schöner werdend und von Ulf Lehmann und Arne Steinforth illustriert, sammelt drei Abenteuer, die als Konsequenz der „Fahrt der Schwarzen Galeere“ gesehen werden müssen.
Die wiederum steht im Zusammenhang mit dem „Zyklus der Dunklen Meister“ und wer nun immer noch nur noch Bahnhof versteht, der hat vermutlich die letzten Jahre Midgard versäumt. Für solche Leute gibt es aber immerhin zwei Seiten Hintergrundserläuterungen.
Diese drei Abenteuerr sind in chronologischer Reihenfolge enthalten, was jetzt aber leider nicht der Reihenfolge der entsprechenden Grade entspricht, wie uns das Vorwort erklärt. Wollen wir uns aber mal nicht länger damit aufhalten und schauen lieber mal, was die Szenarien selber so bieten.

Das erste Abenteuer, „Im Schatten Sataras“, wurde von Arne Steinforth und Arne Clasing geschrieben und hat den unglaublichen Umfang von zwanzig Seiten. Es führt die Charaktere von Geltin aus an den Rand der Tegarischen Steppe und mich damit einmal mehr zu einer Kritik, die weniger an den Band als vielmehr an das System geht: warum gibt es eigentlich noch immer keinen Band zum Hintergrundwelt in der vierten Edition? Wo liegt Geltin? Was ist die Tegarische Steppe? Klar, wer seit jeher an Bord ist kommt damit klar – ich bin mit der neuen Edition eingestiegen und warte noch immer auf eine umfassendere Beschreibung.
Das aber mal außen vor lassend hat man es hier mit einem ganz netten Szenario zu tun, dass mit einer Lieferung von Wodjoscha-Schnaps an einige Bauern beginnt und in einer brisanten Intrige mündet. Ganz genüßlich zu lesen und inhaltlich okay kann man hier von einem rundum ‚guten‘ Szenario reden.

„Unheil über Orsamanca“ geht da schon mit anderen Kalibern zu Buche. Marutukus, der dunkle Meister hinter all den Ereignissen des Bandes, nimmt den Kontakt zu dem eingangs erwähnten Ssrakirra auf, dem ältesten der Zauber-Zss‘rha und bittet ihn, die Stadt Orsamanca mit seinen Sritra zu überfallen; im Gegenzug will er ihm helfen, wieder ein permanentes Tor zu seiner Nestwelt zu öffnen.
Klingt wild, was uns Ingo Mureck da abliefert und ist es auch. Ssrakirra ruft sich Menschen herbei um ihnen düstere Aufträge zu geben, wobei „ein Teil“ der Spielercharaktere auch betroffen ist. Ich mache keinen Hehl daraus, dass das Konzept, eine Gruppe derart zu spalten, eigentlich nur schiefgehen kann. Das Abenteuer ist mit knapp 30 Seiten zwar fast um fast 50% umfangreicher als das „Satara“-Szenario, ist aber in seiner Prämisse sehr forcierend. Wird wohl nicht jedermanns Geschmack sein, ebenso wie die viele „Echserei“ wohl nicht jedem zusagen wird...

Das dritte Szenario der Sammlung heißt „Unteriridisch“ und meine Hoffnung, dass das wohl schon kein Hinweis auf die Qualität des Beitrags sein würde wurde nicht enttäuscht. Es geht vielmehr um einen Anlegeplatz für besagte „Schwarze Galeere“ und rankt sich um einen Plot, der die Bettler der chryseischen Metropole Kroisos in ganz neuem Licht erscheinen lässt.
„Die Handlung gewinnt vermutlich keinen Preis“ wäre eine Phrase, die verwenden würde, hätte sie es nicht tatsächlich getan. Aber auch wenn der Plot von Christopher Bünte in meinen Augen seine Schwächen hat, die Idee mit den Bettlern ist spitze und hebt das wiederum rund 20 Seiten lange Abenteuer über den Durchschnitt.

Die Abenteuer werden von eher unspektakulärer Erzähle von Dr. Rainer Nagel unterbrochen, die aber nirgends so etwas wie einen Unterschied macht sondern eben, nun, da ist. Insgesamt hat mir „Die Fahrt der Schwarzen Galeere“ ganz gut gefallen, mehr aber auch nicht. Die Abenteuer sind zumindest mehrheitlich nett, jedoch zu kurz für wirklich komplexe Handlungen und dezent fummelig zu leiten, von der Chronologie–Grad-Anspruch–Problematik angefangen bis hin der Tatsache, dass man schon gute Hintergrundkenntnisse haben sollte, um hier klar zu kommen.
Dazu ist der Band von eher durchschnittlicher Optik, so dass wir letztlich bei einem „Voll befriedigend“ angekommen sind. Es gibt einfach bessere Bände.


Name: Die Fahrt der schwarzen Galeere {jcomments on}
Verlag: Pegasus Press 
Sprache: Deutsch
Autoren: Arne Steinforth, Arne Clasing, Ingo Mureck, Christopher Bünte und Dr. Rainer Nagel
Empf. VK.: ??? 
Seiten: 79